Steuerliche Änderungen und Hinweise zum Jahresende 2018

Im Jahr 2018 hat das Steuerrecht wieder zahlreiche Neuerungen und Änderungen erfahren. Wichtige Änderungen sollen neben allgemeinen Hinweisen im Folgenden kurz und ohne Anspruch auf Vollständigkeit skizziert werden. Nach einem Überblick über Änderungen, die alle Steuerpflichtigen betreffen, wird auf Änderungen für Familien, Arbeitnehmer und Unternehmer eingegangen.

Erstmals für Steuererklärungen, die das Jahr 2018 betreffen, verlängert sich die Abgabefrist von fünf Monaten auf sieben Monate, so dass die Steuererklärungen für 2018 grundsätzlich erst bis zum 31.7.2019 an das Finanzamt zu übermitteln sind. Werden Sie bei der Erstellung der Steuererklärungen steuerlich beraten, so sind die Steuererklärungen für das Jahr 2018 spätestens bis zum 29.2.2020 einzureichen.

Seit dem Veranlagungsjahr 2017 besteht keine gesetzliche Pflicht mehr, Belege zusammen mit der Steuererklärung einzureichen. Der Belegverzicht gilt auch für Steuerbescheinigungen zur Anrechnung von Kapitalertragsteuern oder für Nachweise über Spenden. Die Belege müssen aber aufbewahrt und auf Anforderung des Finanzamtes eingereicht werden.

Zum Jahresende 2018 sollte geprüft werden, ob bereits der Rahmen für Steuerminderungen ausgeschöpft ist, welcher für haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen im Privathaushalt beansprucht werden kann. Gegebenenfalls ist zu erwägen, begünstigte Arbeiten noch in das Jahr 2018 vorzuziehen – oder aber in das Jahr 2019 zu verschieben, wenn die Höchstbeträge bereits ausgeschöpft sind. Folgende Tätigkeiten im Privathaushalt werden steuerlich begünstigt: a) für Minijobber (Arbeitslohn bis 450 € monatlich) wird ein Steuerabzug von 20% der Aufwendungen, höchstens 510 € gewährt. b) für haushaltsnahe Dienstleistungen, ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis, Pflege- und Betreuungsleistungen wird ein Steuerabzug von 20 % der Arbeitskosten höchsten 4.000 € jährlich gewährt. Für Handwerkerleistungen wird ein Steuerabzug von 20 % der Arbeitskosten, höchstens 1.200 € (erreichbar bei Aufwendungen von 6.000 €) jährlich gewährt.

Steuernachforderungen sowie Steuererstattungen werden grundsätzlich verzinst. Der Zinslauf beginnt 15 Monate nach Ablauf des Jahres, in dem die Steuer entstanden ist. So beginnt die Verzinsung für die Einkommensteuer des Jahres 2017 am 1.4.2019. Die Steuerzinsen werden mit
0,5 % des Nachzahlungs- oder Erstattungsbetrages monatlich berechnet (also 6 % jährlich). Ob diese Zinshöhe in Anbetracht des niedrigen Marktzinsniveaus noch als verfassungsgemäß zu erachten ist, hat der Bundesfinanzhof dem Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung vorgelegt.

 

Änderungen für Familien:

Zur Entlastung von Familien erfolgt die Anhebung des Kindergelds ab dem 1.7. 2019 um 10 € je Kind. Für alle Steuerpflichtigen steigt der Grundfreibetrag von 9.000 € auf 9.168 € und im Jahr 2020 dann auf 9.400 €. Bis zur Höhe des Grundfreibetrages wird keine Einkommensteuer erhoben. Der Spitzensteuersatz von 42 % wird ab dem Veranlagungsjahr 2019 bei einem Einkommen von 55.961 € erreicht (bei Zusammenveranlagung verdoppeln sich die Beträge).

Für den Erwerb oder den Bau einer selbstbewohnten Immobilie in der Zeit vom 1.1.2018 bis 31.12.2020 erhalten Familien je Kind zehn Jahre lang Baukindergeld von 1.200 € pro Jahr. Voraussetzung ist, dass das zu versteuernde Einkommen der Familie nicht über 75.000 € liegt. Für jedes Kind erhöht sich diese Einkommensgrenze um 15.000 €.

 

Änderungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber:

Arbeitnehmer oder (Mit-)Unternehmer, die ihren Firmenwagen auch privat nutzen können, müssen monatlich 1 % des Bruttolistenpreises als geldwerten Vorteil versteuern. Bei Elektro- sowie Hybridelektrofahrzeuge, die nach dem 31.12.2018 und vor dem 1.1.2022 angeschafft oder geleast werden, wird der inländische Bruttolistenpreis nur noch zur Hälfte angesetzt, sodass die Besteuerung der privaten Nutzung halbiert wird.

 

Änderungen und Hinweise für Unternehmer:

Anschaffungs- oder Herstellungskosten von abnutzbaren Anlagengütern können grundsätzlich nur nach Maßgabe ihrer Nutzungsdauer linear verteilt steuermindernd geltend gemacht werden (sog. Abschreibung). Eine Sofortabschreibung kann aber für bewegliche abnutzbare Anlagegüter gewählt werden, die selbständig genutzt werden können, sofern die Anschaffungs- oder Herstellungskosten 800 € nicht überschreiten. Dieser Betrag versteht sich als Nettobetrag; damit sind Investitionen bis zu einem Bruttobetrag von 952 € begünstigt.

Der Investitionsabzugsbetrag ist eine steuerliche Fördermaßnahme im Hinblick auf denkbare Investitionen in den kommenden drei Jahren. Er führt im Jahr seiner Bildung zu einer Minderung der steuerlichen Bemessungsgrundlage im Umfang von höchstens 200.000 €. Erfolgt in den kommenden drei Jahren eine begünstigte Investition (dabei muss es sich um abnutzbare bewegliche Anlagegüter handeln, die zu mindestens 90 % für unternehmerische Zwecke genutzt werden), kommt es zur einkünfteerhöhenden Auflösung des Investitionsabzugsbetrages in Höhe von 40 % der begünstigten Investitionskosten. Im selben Umfang erfolgt auf Antrag ein einkünfteminderner Abzug von den Investitionskosten. Dadurch mindert sich die Bemessungsgrundlage für die Abschreibung. Der Investitionsabzugsbetrag bewirkt somit eine steuerwirksame Vorverlagerung des Aufwandes und keine endgültige Steuerminderung.

Die Heubeck AG hat neue Richttafeln für die Bewertung von Pensionsrückstellungen veröffentlicht und prognostiziert, dass deren Zugrundelegung zu Erhöhungen in der Steuerbilanz von 0,5 % bis 2 % und in der Handelsbilanz von 1 % bis 2 % führt. Erstmals können die Richttafeln 2018G der Bewertung am Ende der Wirtschaftsjahre zugrunde gelegt werden, die nach dem 20.7.2018 enden.

Seit dem Beginn des Jahres 2018 verfügt die Finanzverwaltung über ein neues Kontrollinstrument – die Kassen-Nachschau. Danach kann ein Prüfer des Finanzamtes ohne vorherige Ankündigung und außerhalb einer Außenprüfung während der üblichen Geschäftszeiten Geschäftsräume zum Zwecke der Prüfung betreten. Der Kassen-Nachschau unterliegen u.a. elektronische oder computergestützte Kassensystem und Registrierkassen sowie offene Ladenkassen. Der Prüfer hat sich auszuweisen und kann zur Prüfung einer ordnungsgemäßen Kassenaufzeichnung etwa einen sog. Kassensturz verlangen, der auf einen Soll-Ist-Abgleich der Kassenaufzeichnungen gerichtet ist. Ohne Pflicht zur Vorlage eines Ausweises ist die Beobachtung der Kasse, ihrer Handhabung in öffentlichen Geschäftsräumen sowie die Vornahme von Testkäufen durch den Prüfer zulässig.